60 Jahre – das ist ungefähr die Lebensdauer von Kanalisationssystemen. Warum das wichtig ist? Wenn es nicht mehr richtig fließt, dann gerät das Abwasser auf Abwege und Verschmutzungen dringen ins Grundwasser. Das kann schwerwiegende Folgen für Mensch und Umwelt haben. Um das zu vermeiden, beauftragte die Stadtgemeinde Spittal/Drau die umfangreiche Sanierung ihrer Abwassersysteme.

Abb. links: Verlegung von neuen Gussrohren. Abb. rechts: Errichtung eines Schieberschachtes.
Präzise Vorarbeit – das A&O
Unter der Leitung der Ingenieurbüro Kronawetter GmbH (mittlerweile HPC IBK) wurde hier zunächst das gesamte Mischsystem einschließlich Pumpstationen, Mischwasserentlastungsanlagen und Rückhaltebecken untersucht. Dazu gehörten nicht nur die Überprüfung des bestehenden Kanalsystems, sondern auch Messungen von Abfluss- und Niederschlagsmengen sowie die Einschätzung der Auswirkungen auf Grund- und Oberflächenwasser. Das Ergebnis: Starke hydraulische Mängel sollten umgehend beseitigt werden. Basierend auf der hydraulischen und baulichen Beurteilung der untersuchten Kanäle, der ökologischen Situation und der möglichen zukünftigen Entwicklung des Systems wurde ein umfangreicher Sanierungsplan entworfen, der über einen Zeitraum von knapp drei Jahren umgesetzt wurde.

Abb. links: Grabungsarbeiten im städtischen Tiefbau. Abb. rechts: Bestehende Einbauten erschweren den Leitungsbau.
Die Umsetzung – auf den Spuren der Kanäle
Undichte und veraltete Kanalsysteme konnten auf zwei verschiedene Weisen saniert werden: Zum einen fanden unterirdische Ausbesserungen (Inlinerverfahren) statt, welche Erneuerungen innerhalb der Systeme ermöglichen. An anderer Stelle wurden Künetten ausgehoben und Rohre komplett neu verlegt. Während diese Aufgaben an sich für unsere erfahrenen Spezialisten keine Probleme darstellen, stand unser Team jedoch vor einer ganz anderen Herausforderung:
Die bestehenden Rohrsysteme verlaufen Großteils im Straßenbereich. Der Aushub von Baugruben und Künetten findet somit häufig an viel befahrenen Hauptstraßen statt, was ein diplomatisches und respektvolles Verkehrsmanagement erfordert. Doch als Team konnten wir alle (Bau-)gruben überwinden!
Sauber in die Zukunft
Nach nur drei Jahren Planung und Umsetzung erstrahlen Teile des Kanalsystems in Spittal/ Drau nun wieder in neuem Glanz. Es befindet sich auf dem neuesten Stand der Technik und ist damit auch nachhaltiger als je zuvor:
Kein Abwasser gelangt mehr ins Grundwasser und auch langfristig verringern sich damit die Kosten für die Stadtgemeinde. Unser Team hat mal wieder bewiesen: Wir sind nicht nur fachlich kompetent, sondern behalten auch das Thema Nachhaltigkeit immer im Blick.
Die große Herausforderung bei diesem Projekt sind die beengten Platzverhältnisse und die Zugänglichkeit. Im westlichen und östlichen Baufeld grenzt der Neubau der Kita direkt an die sich noch im Bau befindlichen Nachbargebäude. Im nördlichen und südlichen Bereich grenzt die Baugrube direkt an öffentliche Flächen: Hier befindet sich auf der einen Seite eine Tartanbahn, auf der weder Baufahrzeuge fahren, noch Baumaterial gelagert werden können. Auf der anderen Seite befindet sich als einziger Baustellenzufahrtsbereich eine Einbahnstraße mit Rad- und Fußwegen. Das bedeutet, dass umfangreiche Arbeiten wie beispielsweise der Erdaushub nur im Einbahnstraßenverkehr gemanagt werden dürfen.
Dies bringt große logistische Herausforderungen mit sich, nicht zuletzt beim Aufstellen der für die Grundwasserabsenkung erforderlichen Wasseraufbereitungsanlage. Da rund um die Baugrube nur sehr wenig Platz vorhanden ist, wurde diese Anlage 250 Meter entfernt auf einem noch nicht im Bau befindlichen Grundstück platziert. Eine komplexe Aufgabe, bei deren Planung und Umsetzung HPC mitgewirkt hat. Damit trugen wir einen großen Teil zur Vermeidung von Verschmutzung der Elbe und des Grundwassers bei. Mittlerweile wird die Auftriebssicherung des Neubaues durch Eigenlast und Auflast sichergestellt, sodass die Wasserhaltungsanlage erfolgreich abgeschlossen und zurückgebaut werden konnte.
Und jetzt? Mit Nachhaltigkeit in die Zukunft
Es bleibt ein spannendes Projekt für HPC: Nach dem erfolgreichen Aushub der Baugrube sind die Hochbauarbeiten nun in vollem Gange. Unser Team aus erfahrenen Ingenieuren steht weiterhin für diese Baumaßnahmen bei geotechnischen und umwelttechnischen Fragen beratend zur Seite. Eine der nächsten Aufgaben besteht darin, den Baugrubenverbau, einer Kombination aus einem gestützten Berliner Verbau auf der Nordseite und einem zweifach rückverankerten Essener Verbau auf der Südseite, zurückzubauen. Hierbei stellen enge Platzverhältnisse im Baugrubenseitenraum (Platz zwischen Neubau und Trägerbohlverbau von örtlich nur ca. 10 cm) vor allem auf der Südseite besondere Herausforderungen beim Verfüllen des ca. 5 m tiefen
Baugrubenseitenraumes da. Geplant ist, den südlichen Verbau unter der fachlichen Begleitung von HPC mit Flüssigboden bis 1,5 m unter Geländeoberkante zu verfüllen. Die darüber einzubauende sandige Verfüllung soll mit Wasser eingespült werden. Die Holzverbohlung wird hierbei sukzessive ausgebaut. Abschließend werden die öffentlichen Flächen wie Straßen, Geh- und Radwege sowie die Infrastrukturen wie Kanäle für Schmutz- und Regenwasserleitungen durch flächendeckende Höhenmessungen, Verdichtungskontrollen und Kamerabefahrungen geprüft. Hierbei plant und veranlasst HPC die beweissichernden Maßnahmen, führt diese zum Teil selbst durch und bewertet die Ergebnisse.
